Tag 6: Downwinder und Jericoacoara

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Heinz‘ Flohzirkus

Blogbeitrag von Mara

Heute war der Tag der umgeschmissenen Pläne. Ich möchte nicht wissen, wie oft sich Heinz heute gedacht hat: „Eine Handvoll Kiter sind schlimmer als ein ganzer Sack voller Flöhe!!!!!“

Also, der erste Plan war folgender: Morgensession am Strand von Prea, danach Pause und nachmittags Downwinder nach Jericoacoara, wobei Remo unsere Klamotten mit dem Auto dorthin gefahren hätte, damit wir abends für den Ausgang auch etwas Trockenes anzuziehen haben. Der Plan war gut, aber die Strecke für Marcel etwas unrealistisch.

Es folgte der zweite Plan: Einfahren am Strand von Prea. Wenn dann alle auf dem Wasser sind, kleiner Downwinder bis hinter den flachen Felsen, dort Pause und dann Downwinder bis ans Ende der riesigen Bucht, kurz bevor der Berg von Jeri losgeht. Wir schwärmen also alle peu à peu aus, alles sieht soweit gut aus für den Start, da verliert Marcel eine Linse und muss landen und nochmal zurück in die Pousada, um eine neue zu holen. In der Zwischenzeit wollen manche nicht mehr wartend hin und herfahren („Heieinz, wann geht’s denn endlich looohoos???“) und machen Pause. Die eine verschwindet in der Pousada für eine Maracuja, die anderen in die nächste Bar für ein Bier. Marcel ist also  mit einer neuen Linse am Strand startbereit, da sind die anderen verschwunden. Also alle wieder einsammeln und auf’s Wasser schicken, da fällt Roman ein, er muss seinen Kite nochmal aufpumpen, denn die Tube verliert Luft. Die Pumpe hat Mara aber im guten Glauben, es ginge endlich los, schon wieder in die Pousada gebracht. Also muss Roman nochmal in die Pousada sausen, den Kite pumpen und „Hurrraahhhh, es geht endlich los!!!!!“  :-)

In diesem Moment habe ich Heinz wirklich bewundert, dass er nicht einen von uns „Flöhen“ umgebracht hat…..

Der Downwinder war dann wirklich traumhaft: perfekter Wind, schöne Wellen, was will man mehr!!
Remo kam dann, um uns einzusammeln und es ging wieder zurück nach Prea zum chillen in der Hängematte (guter Plan!!!).

Um fünf Uhr wurden wir wieder eingesammelt, quetschten uns alle acht in den kleinen Fiat-Van und fuhren die Sandpiste Richtung Jeri, wobei Remo sich als Meister-Slider entpuppte. Allerdings nicht meisterlich genug, als das wir nicht dreimal hätten aussteigen und die Karre wieder aus dem tiefen Sand hätten schieben müssen. Aber was wäre ein Jeri-Ausflug schon ohne ein paar Mal im Sand steckenbleiben. Davon kann ich noch ganz andere Geschichten erzählen….

In Jeri selbst hat sich in den sechs Jahren, die ich nicht mehr dort war, viel geändert (logisch!!!). Es hat viele schicke neue Hotels und ein komplett neues Viertel in der zweiten Reihe in Richtung der grossen Düne. Ausserdem darf man mit dem Auto nicht mehr in den Ort fahren, sondern muss es am Ortseingang stehen lassen und mit dem Shuttle weiter, was ich sehr sinnvoll finde.
Was aber immer noch genau gleich geblieben ist, ist das Wahrzeichen von Jeri: die riesige Düne am Ende des Beaches, von der aus man auf der einen Seite einen wundervollen Blick in den Nationalpark hat, der wie die Wüste Sahara mit ein paar Oasen aussieht, und von der anderen Seite aus kann man den Sonnenuntergang bewundern. Ausserdem kann man die Windsurfer übers Wasser flitzen sehen, denn die Bucht von Jeri ist immer noch fest in der Hand dieser sonst langsam aussterbenden Spezies. Sozusagen das Windsurfer-Reservat von Céara.  ;-)

Den Sonnenuntergang bewundert mit uns ungefähr das halbe Dorf, alle sitzen dort oben an der Kante der Düne, trinken Bier, Caipirinhas oder Leite de Coco, die Brasilianer fotografieren sich mit ihren Selfie-Sticks und es ist so chillig, wie Brasilien eben nur sein kann. Wenn die Sonne untergegangen ist, gibt es Applaus und alle springen die steile Dünenkante herunter, was sich anfühlt, als würde man durch dicken, wattigen Tiefschnee fliegen.

Auf dem Weg zurück zu den Bars (wo es dann den nächsten Caipi gibt) kommen wir an einer Capoeira-Vorführung vorbei. Die Menschen stehen dabei klatschend und singend im Kreis um zwei Kontrahenten, die sich mit Kicks und akrobatischen Sprüngen lauernd umkreisen. Capoeira ist eine alte Kampfkunst, die ursprünglich von Sklaven entwickelt wurde und die mit ihren Sprüngen und Drehungen zur Musik wie ein harmloser Tanz aussieht, der aber jederzeit mit seinen Kicks und Schlägen in bitteren Ernst umschlagen kann. Als ich in der Dämmerung in diesem Kreis der singenden und mit alten Instrumenten aus ausgehöhlten Kürbissen musizierenden Menschen stehe, bekomme ich echt eine Gänsehaut. LIVE Capoeira hier…

Was auch neu ist in Jeri ist die Polizei, die sogar am Strand massiv Präsenz zeigt, um die Touristen zu beruhigen. Und ich muss sagen, es funktioniert, denn ich habe mich in den kleinen sandigen Gassen – auch als Frau allein – immer absolut sicher gefühlt. Das ging mir aber bisher in allen kleinen Dörfern meiner diversen bisherigen Brasilienreisen so und ich wurde auch nie eines Besseren belehrt. Nur für Fortaleza würde ich defintiv nicht meine Hände ins Feuer legen!!!

Nach der Düne steuern wir eine wunderhübsche Bar am Strand an, wo wir Heinz‘ Freunde Sandy und Patricia mit ihren beiden quirligen Zwillingstöchtern treffen, die sofort Roman und Remo als Kletterstangen und Karussells missbrauchen. Einfach unglaublich, wieviel Energie Kinder um diese Uhrzeit noch haben.
Danach geht es zum Restaurant von Mariella, das mit so unglaublich viel Liebe und Kreativität eingerichtet ist, dass man es kaum beschreiben kann. Man muss es wirklich selbst gesehen haben. Noch dazu bedienen dort sehr hübsche Bedienungen in sehr kurzen Kleidchen, was meiner Meinung nach eher der Grund dafür ist, dass Heinz uns dorthin schleppt als das Essen, denn das ist eher „normal“. David, Thomas und ich nutzen die Zeit, in der die anderen noch mit Mariella und den hübschen Bedienungen ratschen, um durch die bunt beleuchteten Gassen zu streifen, denn David braucht noch eine Boardshort und Thomas einen Haufen T-Shirts für seine diversen Neffen und Nichten.

Überall hat es Musik, Strassenkünstler, Hippies, die Schmuck verkaufen, kleine Lädeli und Bars. Besonders lustig sind auch die „rollenden Caipi-Bars“ am Strand, die quietschbunt beleuchtet und liebevoll dekoriert sind, um Kundschaft anzuziehen. Und überall ist Zeit für eine freundliche Begrüssung oder für einen kleinen Schwatz zwischendurch. Brasilien halt…..  :-)

Da wir ja den ganzen Tag kiten, sind wir gegen Mitternacht mehr oder weniger durch (ausser Remo, der hat noch die Energie des 22-jährigen…), so dass wir die wilden Partys, die in Jeri anscheinend stattfinden, leider verpassen. Wir schauen noch bei einem Forrò vorbei, sozusagen eine einheimische Tanzveranstaltung, aber da wir dort um die Uhrzeit die ersten sind und es noch keine hübschen Brasilianerinnen für die Jungs zum Tanzen hat, machen wir uns dann doch auf den Heimweg. Diesen bewältigt Remo dann sogar mit nur einem Mal im Sand steckenbleiben und da wir wegen der Ebbe am Strand entlang düsen können, dürfen wir relativ bald in unsere Bettchen krabbeln.

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