Tag 14: Sabiaguaba zum Abschluss

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Downwinder Sabiaguaba nach Icarai

Mittlerweilen haben wir unseren Stammtisch auf der Frühstücksterrasse. Ab und zu lassen wir zwei Italiener zusitzen, doch eigentlich hat es recht wenig Leute in diesem doch sehr grossen Hotelareal. Mit Blick aufs Meer schmieden wir unseren letzten, den 14. Plan. Unser Ziel, jeden Tag einen neuen Kitespot erkunden zu dürfen, scheint in machbarer Reichweite.

Die 12 km Küste südlich von Icarai scheinen wie gemacht für gute Wellen und Side- bis Side-On-Shore Wind.
Die Strassen sind auf Google-Maps eingezeichnet und somit wagen wir mit unserem bis unters Dach gefüllten Fiat Doblo die Fahrt entlang der bepflasterten Strasse. (Dem Fiat sei hier auch einmal ein Lob ausgesprochen)
Die Gegend um Icarai bietet alles was wir auf dieser 2 wöchigen Reisen gesehen haben: Dünen, Flussläufe, Lagunen, freilaufende Tiere, Landwirtschaft mit Palmen-, Cashew- und Manioc-Plantagen, kleine Hausansammlungen mit Kirchen und Schulen, mit Plastik verschmutzte Landstriche, holprige Sandstrasse, Windräder und natürlich Wind und Meer. Es ist eine liebliche Gegend zw Icarai und Sabiaguaba wo unser Downwinder beginnt.

Marcel fährt wieder mal das Auto, weil ihn seit 2 Tagen eine Erkältung plagt. Das ist uns nur recht, denn so dürfen wir ihn ohne schlechtes Gewissen am Strand zurücklassen und die 12 km Welle voll und ganz geniessen. Ein weiterer traumhafter Küstenabschnitt offenbart sich uns und Mara, sie hat den Lead übernommen, wählt eine super Linie. Zuerst im offenen Wasser entlang den eher felsigen Sideshore stellen, dann nahe dem Ufer entlang wo die Wellen am Sandstrand schön abrollen und dann wieder weit ins Meer raus wo brechende Wellen ein Riff vermuten lassen – und dem ist auch so: die Wellen rollen von hier über weite Strecken bis zu unserem Ziel Icaraicinho.

Für Mara und Thomas werden das die letzten Meter sein. Heute Abend ist für sie Abreise und deshalb wird jetzt auch nichts mehr risikiert. Wir wählen eine gute Passage durch das Riff vor Icarai und landen unsere Kites, die uns die ganzen 2 Wochen nicht ein einziges mal im Stich gelassen haben. Das war vor paar Jahren noch ganz anderst :-)

Sunset-Session als Abschluss

Dieser Freitag, 4. November ist der offizielle Abschluss unserer Brasilien Tour 2016. Roman, David, Marcel und Heinz werden noch einen Tag in Icarai bleiben. Deshalb genehmigen sich Roman und Heinz nochmals eine Abendsession direkt vor dem Hotel. Wie überall in Brasilien ist abends der Wind konstanter und auch nicht mehr ganz so stark. Und mit dem Rubinroten Licht des Sonnenuntergangs bekommt dies einen kitschigen Anstrich. Bilder zum Abschied:

Mara und Thomas verlassen uns um 6 Uhr und bringen gleichzeitig das Mietauto am Flughafen zurück. Die restlichen 4 geniessen nochmals einen Abend im Romantischen Dörfchen. Und David hat nochmals richtig draufgehauen, alles gegeben und sein Abschied sollte deshalb nicht all zu leicht ausfallen. Mit seinem Foto schliesst auch dieser Blog.

Es waren 2 traumhafte Wochen mit einem tollen Team und mit vielen bleibenden Erlebnissen. Danke und bis zum nächsten Jahr. Heinz

Tag 13: Die Lagune von Moitas

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Unser Abenteuer im Mangroven-Nirgendwo

Blogbeitrag von Mara

Nach dem Frühstück steht erstmal der Abschied von unserem begnadeten Hochsprungkünstler David 2 an, der per Taxi wieder zurück nach Prea zu seinem Gschmusi fährt. Seine ulkige Art werden wir an unseren letzten Tagen hier sehr vermissen.
Heute wollen wir wieder mal die Umgebung von Icarai erkunden und erlauben uns sogar den Luxus, uns mit dem Kite-Bus unserer Kitestation ClubVentos chauffieren zu lassen. Es soll in eine Lagune an einer Flussmündung hinter Moitas gehen, das ein paar Kilometer die Küste hoch liegt.
Wobei Kite-Bus luxuriöser klingt, als es ist: es handelt sich um einen schnaufenden, wackeligen Kleinlaster mit vier Bankreihen hintendrauf und einem Dach darüber. Aber diese Dinger sind unverwüstlich und erstaunlich geländegängig, wie sich noch herausstellen wird.
Die Hälfte der Gruppe wird einen Downwinder zur Lagune machen, die andere Hälfte (Marcel, Roman und ich) fahren mit dem Bus.
Ein Problem ist erstmal wieder das Timing: da die Lagune tidenabhängig und am schönsten bei Ebbe befahrbar ist, soll es recht „früh“ losgehen, eigentlich um zehn. Um zehn erfahre ich bei Rama, dem Stationsleiter, es ginge erst um halb elf los. Um kurz vor halb elf fehlt noch Marcel, der wurde dazu abkommandiert, die anderen zu starten und die Pumpe zurückzubringen und das dauert mal wieder länger als geplant. Dann gibt es noch einen Umweg über die Station (warum auch immer), einen Umweg zum Supermercado, um Wasser zu holen, einen Ratsch des Chauffeurs mit einer hübschen Brasilianerin auf der Strasse – und endlich geht es los!!!!!!
Wir fahren am Strand entlang und haben so die Gelegenheit, auch mal das in Lee gelegene Ende der Bucht, wo wir auch immer viele Kiter gesehen haben, bei (noch relativer) Ebbe zu begutachten. Es hat dort einige flache Felsen im Wasser, auf die man bei halber Wasserhöhe sicher recht aufpassen muss und nach vorne zur Landspitze hin wieder sehr viele Fischerreusen bzw. Holzpflöcke im Wasser. Aber dazwischen sehr schöne Wellen, Dünen und Windräder, soweit das Auge reicht.
Nach circa 15 Minuten Fahrt entlang der Dünen bleiben wir das erste Mal im Sand stecken und dürfen diesen riesigen schweren Laster wieder zu Dritt herausschieben.
Irgendwann schlagen wir uns wieder vom Strand in die Botanik bzw. in den reinsten Wirrwarr von kleinsten Dörfern und da gibt es wieder viel zu bestaunen. Die Kühe, Esel, Ziegen, Schweine, Hühner etcetera laufen alle frei überall umher und so langsam frage ich mich, woher denn jeder Dorfbewohner weiss, welches Tier eigentlich ihm gehört, bzw. wo es denn gerade steckt, wenn er es braucht. Oder gehören die Tiere einfach allen und wenn man mal Milch braucht, melkt man die Kuh, die gerade vor der Tür steht????? Für solche Fragen würde ich wirklich zu gerne besser Portugiesisch können, um mich bei den Einheimischen schlau zu machen.
Was auch sehr auffällig ist: in JEDEM noch so winzigkleinen Dorf gibt es eine sehr schöne und gepflegte Kirche (wie es aussieht immer katholisch) und einen Fussballplatz (was Wunder!!!). Ausserdem die extrem nervigen „Bumps“ oder Betonbuckel quer über die Strasse zur Geschwindigkeitsreduzierung.
Worauf dagegen sehr gerne verzichtet wird, sind Ortsschilder oder Wegweiser – man weiss also nie so wirklich, wo man sich befindet. Am Anfang versuche ich noch, mir den Weg zu merken, aber nach einer halben Stunde wildestem ZickZack nach links und rechts gebe ich auf. Dafür stehen wir plötzlich in einer Sackgasse zwischen einer hohen Sanddüne, einer Hütte und – einem Fluss!! Wir machen grosse Augen, entdecken aber gleich einen Ponton an einem Seil, der uns für unser Vehikel aber viel zu klein erscheint. Zweifelnd betrachten wir diese höchst rudimentäre Fähre. Die Brasilianer können über unser schweizerisches Zaudern natürlich nur wieder milde lächeln. Flugs wird die Fähre ans Ufer gezogen, zwei dünne Holzbretter werden ausgelegt und der Bus balanciert darüber auf den kleinen wackeligen Ponton. Was die schweizerische SUVA bzw. der deutsche TÜV dazu sagen würde, kann ich mir bildlich vorstellen!!!
Hinten an dem Ponton hängt ein winziger Motor mit einer noch winzigeren Schraube, der eher wie ein kleiner Mixer aussieht, aber oh Wunder – er schafft es tatsächlich, den Ponton an dem überall verknoteten und halb zerrissenen Seil über den Fluss zu schippern. Dort angekommen blicke ich zweifelnd auf den Kies- und Muscheldurchsetzten Schlamm, den die Flut zurückgelassen hat und mein Vertrauen in die brasilianische Findigkeit schwindet schlagartig. Wie um Himmels willen soll unser riesiger schwerer Bus da anlanden!!! Aber noch während ich fieberhaft nach portugiesischen Worten suche, um meinen Zweifel darzulegen, ist es auch schon passiert: der Wagen rollt von dem Ponton über die dünnen Bretter und mit einem hässlichen Geräusch versinkt unser Vehikel bis zu den Radnaben im Schlamm. Na bravo!!!! Roman, Marcel und ich schauen uns genervt an und vor unseren Augen löst sich der traumhafte Kite-Tag in Nichts auf.
Schnell tragen wir unser Kitegerödel von der Ladefläche auf ein trockenes Fleckchen Sand und begeben uns aus der Schusslinie, damit wir den wild herumwuselnden Brasilianern nicht im Weg stehen. Und dann beginnt eine laaaange Wartezeit! Gott sei Dank habe ich ein dickes Buch mitgenommen und muss mich nicht langweilen. Roman überbrückt die Wartezeit stilvoll mit Yoga und Marcel haut sich für ein Schläfchen in die Hängematte. Nach etwa einer Stunde, in der der Wagen immerhin schon auf mehrere Steine aufgebockt und das Rad zumindest schon halb aus dem Schlamm gewuchtet ist, ist uns dann doch langsam langweilig und wir erkunden das Mangrovendickicht, in dem sich diverse Sorten von Krebsen verstecken. Entweder viele kleine Krebse mit nur einer grösseren Essensschere, mit der sie sich permanent was auch immer ins Maul stecken und dann schnell wieder in ihren Sandlöchern verschwinden. Oder einige grosse circa handtellergrosse Krebse mit grauem Körper und ferrariroten Beinen, die grusig dick und behaart sind. Sie sollen eine rechte Delikatesse sein und im Wissen darum verschwinden sie ratz fatz zwischen den Mangrovenwurzeln, sobald sie unserer ansichtig werden.

Plötzlich ertönt ein Brummen und durchs Dickicht schiebt sich ein Traktor – unsere heiss ersehnte Rettung!!! Ruckzuck wird der Laster mit einem Metallseil angehängt und aus dem Dreck gezogen. Das Leben kann ja manchmal so einfach sein!!!! ;-) Dummerweise meint unser Fahrer, er kann die Verspätung durch wildes Rasen auf den holprigen Sandwegen wieder gutmachen, was ihm nach der Ankunft einen derben Rüffel von Marcel einträgt, der wie wir schon um sein Leben gebangt hat.

Schnell ist der Zorn aber wieder verraucht, denn vor uns erstreckt sich eine weitläufige Bucht, deren vorgelagerte Sandbänke leider fast schon alle von der Flut überspült werden. Die Anderen sind schon längst angekommen und haben sich die Wartezeit in den Wellen und in den flachen Pools vertrieben. Sie schwärmen von ihrem abwechslungsreichen Downwinder und bevor wir uns lange über unser Pech mit der Schlammpanne auslassen, pumpen wir lieber unsere 7 qm Kites auf, um wenigstens noch ein bisschen Flachwasser abzukriegen.
Eine Sandbank liegt noch trocken und hinter dieser übe ich Sprünge und anständige Landungen, dass es nur so raucht.
Da mein Kite ziemlich gut Zug hat, geht das Springen fast wie von selbst. Marcel verrät mir nachher, dass wir gute 7-8 Windstärken hatten, etwas um die 64 km/h, das erklärt natürlich alles. Hach, ich LIEBE dieses Brasilien!!!! :-)
Als mein rechtes Knie irgendwann von den immer noch nicht so perfekt sanften Landungen das Maulen anfängt, sammelt Rama uns ein und es geht wieder zurück nach Icaraizinho. Diesmal aber mit einer Fähre, die etwas weiter im Landesinneren liegt und die deutlich grösser und vertrauenswürdiger aussieht. Danach müssen wir noch über riesige Dünen, auf denen ich uns schon wieder schieben sehe, aber nach mehreren Anläufen schaffen wir es dann doch auf die befestigten Strassen und sind auch bald daheim.
Eigentlich könnten wir noch eine tolle Abendsession dranhängen, aber irgendwie sind alle ziemlich tot und die einen verkrümeln sich an die Bar, die anderen in die Hängematte.
Am Abend ist die Vorfreude gross, denn wir haben bei einem Japaner reserviert, der in einer Querstrasse der Strandstrasse ein winziges Bistro mit gerade mal drei Tischen vor dem Haus besitzt und der sich lustigerweise als der Einheimische herausstellt, der uns bei unserer Ankunft vorgestern auf Englisch den Weg zu unserer Pousada les Alizes gewiesen hat. Er hat uns ein leckeres Thunfisch-Sashimi in Aussicht gestellt hat und tatsächlich, wir bekommen zwei Teller mit einem riesigen Haufen frischester und leckerster roher Tuna-Stücke auf den Tisch gestellt und fallen wie die Wölfe darüber her. Mit Sesam bestreut und in Wasabi und Soja getunkt zergeht das Sashimi regelrecht auf der Zunge.
Noch dazu ist Carlos Kazu so herzig und unser Appetit macht ihm sichtlich so Freude, dass wir ihn sofort alle ins Herz schliessen. Roman und ich stellen fast, dass er ein genauso humorvolles Lachen hat wie der Dalai Lama und nach dem zweiten Gang, einer luftig lechten Lasagne mit Schinken, verrät er uns, dass er im übernächsten Jahr in ein Kloster in Nepal gehen möchte, um sich seinem buddhistischen Glauben zu widmen.
Nach einer sehr herzlichen Verabschiedung marschieren wir wieder an die Strandstrasse, wo wir noch ein paar leckere Kugeln Eis in der Gelateria verputzen und Thomas und Heinz bekommen ihren obligaten Kaffee. Lustigerweise treffe ich dort Dirk, einen alten Brasilien-Bekannten, mit dem ich mir vor circa fünf Jahren ein Wettspringen über die Mangroven-Büsche in der Lagune von Barra Grande geliefert habe, mit zwei bayerischen Freunden. Wir tauschen noch ein paar Tipps für diverse Must-visit-Kitespots aus, bis ich endlich unter dem sternenübersäten Nachthimmel und neben den rauschenden Wellen am Strand wieder nach Hause laufe.

Tag 12: Kiten in Icaraizinho

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Die Flöhe mal wieder kreuz und quer unterwegs auf dem Meer

Blogbeitrag von Mara
Was gibt es Schöneres, als im Angesicht des türkisfarbenen Meeres ein leckeres Frühstück vor die Nase gestellt zu kriegen? Unser Eindruck von gestern, wir wären im absoluten Kiter-Paradies gelandet, verstärkt sich mehr und mehr. Die Frühstücksterrasse im Les Alizes thront auf einem kleinen Hügelchen und man hat den Blick über die gesamte Bucht, an deren Ende über den Dünen sich schon wieder fleissig die weissen Flügel des hiesigen Windparks drehen.
Überhaupt habe ich langsam das Gefühl, ganz Brasilien müsste inzwischen mit Windstrom betrieben werden, denn die Windgeneratoren stehen selbst in den kleinsten Dörfchen und im absoluten Nirgendwo. Es gibt ja Leute, die sehen die Windräder als massive Naturverschandelung und Vogelbedrohung, aber für mich sind sie von einer stillen Eleganz und Effizienz und immer noch besser als ein Atomkraftwerk, vor dessen Problematik der Lagerung des radioaktiven Abfalls immer noch einfach die Augen verschlossen werden.
Heinz schlägt uns mal wieder einen tollen Plan für diesen schönen neuen windreichen Tag vor: vormittags im perfekten Ebbe-bedingten Flachwasser direkt vor unserer Pousada kiten und am Nachmittag einen kleinen Downwinder nach Lee zu dem Kiterstrand vor den Dünen machen und die Landspitze erkunden, an der man auch immer einige Kites am Himmel sieht.
Alle stürzen sich also auf’s Wasser und tummeln sich zwischen den im seichten Wasser stehenden Holzpflöcken, diversen einheimischen Anglern, den Fischerbooten, den Steinen den die Bucht einrahmenden Riffs und den Wellen. Aufgrund aller dieser harten und weichen Hindernisse ist eher sicheres Fahren angesagt, so dass tollkühne Manöver und Sprünge höchstens von unserem Sprungprofi Davidd 2 zu bestaunen sind, denn wir anderen wollen nicht riskieren, unsere Kites zu droppen, um sie nachher in Einzelteilen zwischen den Fischerbooten herauspflücken zu dürfen. Denn nach Murphy’s Law geht ja, wenn etwas schiefgeht, es immer genau da schief, wo es nicht schiefgehen sollte!!!
Marcel übt sich derweilen im Spezial-Triathlon: rauskiten, reinschwimmen, am Strand zurücklaufen. Da dieser Sport der Figur sehr zuträglich sein soll, hat Heinz ihm tägliches Training verordnet, was Marcel auch brav absolviert.
Nach einer kurzen mittäglichen Hängemattenrunde werden wir wieder auf’s Wasser gelockt: der Downwinder ans untere Ende der Bucht steht an. Die Flöhe hüpfen also einer nach dem anderen wieder auf’s Wasser aber – oh Schreck – bei Roman fliegt einfach der Kite weg!!! Der Löli von Kiteschulen-Assistent wartet beim Starten nicht mal ab, bis Roman sich in den Chicken-Loop, geschweige denn in die zweite Safety eingehakt hat und schmeisst einfach den Kite in die Luft!!!! Der fliegt natürlich sofort in hohem Bogen weg und purzelt mitten zwischen die Boote auf dem Wasser, wo er sich nach ein paar Überschlägen verfängt und anfängt zu loopen. Vom Wasser aus bestaune ich diese Vorführung, wie man einen Kite NICHT starten sollte und die anschliessende Diskussion Romans mit dem Verrückten, wie man den Kite wieder von dem Boot abbekommt, ohne ihn kaputtzumachen.
Mittlerweile ist Marcel bereits wieder bei der zweiten Disziplin seines Spezial-Triathlons angekommen und Heinz muss zu ihm runterdüsen, um ihm zu helfen, sein Material wieder komplett ans Ufer zu bekommen. Da er schon mal in Lee unterwegs ist, hilft er auch gleich nochmal einem Franzosen, der dann auch ziemlich weit schwimmen muss.
Das ist wirklich ein bisschen tricky an Icarainzinho: das Flachwasser in der Bucht verführt dazu, zu sehr in die Abdeckung der Landspitze zu fahren und plötzlich ist der Wind weg und der Kite droppt. Auch Windsurfer habe ich schon einige schwimmen sehen. Deshalb sollte man oberhalb der Fischerboote bleiben oder eben genügend weit auf dem Meer draussen, um auf die andere Seite der Bucht zu kommen. Ich merke irgendwann, dass der Wind anfängt zu schwächeln und da ich dieses Phänomen schon zur Genüge vom Gardasee und Urnersee kenne, kurve ich gerade noch rechtzeitig rein und lasse den Kite mit dem letzten Lüftchen einem erstaunten Windsurfer vor die Füsse plumpsen.
Der vierte Floh David denkt sich: „Prima, jetzt habe ich eine gute Ausrede, um mir doch noch die andere Seite der Bucht anzuschauen“ und ruck zuck ist er nach Lee unterwegs, um sich mal die dortige zweite Kitestation der Bucht anzusehen. Dort fällt ihm eine schöne Französin ins Auge, die ihm die nächsten Tage keine Ruhe mehr lassen wird. Bei Einbruch der Dunkelheit kommt er dann aber doch wieder zurück in die Pousada gelaufen.
Die restlichen zwei Flöhe Thomas und Heinz nutzen ihren Gewichts- und Surfbrettvorteil und toben noch auf dem Wasser herum, bis die Sonne sich ganz verabschiedet hat und das Feierabendbier mehr als verdient ist.

Da wir trotz der gescheiterten Pläne ja den ganzen Tag sehr fleissig waren, ist der Hunger am Abend mal wieder gross und wir pilgern den Strand hinunter ‚gen Dorfmitte, um uns aus den vielen netten Restaurants eins auszusuchen. Die Wahl fällt uns diemal leicht, denn wir treffen zufällig Silvi, Sandro und Lydia, mit denen ich vor zwei Jahren auf der Ilha do Guajiru und in Barra Grande war und angesichts der riesigen Portionen „Frango ao Molho“, die sie vor sich auf dem Teller haben, setzen wir uns gleich dazu. Das ist überhaupt immer sehr lustig in Brasilien: da hier Oktober und November die besten Windzeiten sind, kann man hundertprozentig davon ausgehen, in jedem Dorf eine Kitebekanntschaft aus den letzten Jahren zu treffen. So ja auch schon vor ein paar Tagen Hugo in Macapà.

Das Huhn stellt sich tatsächlich als sehr delikat heraus und nach den riesigen Portionen begleitet von Reis, Bohnen und Pommes gehen…..äääähhh, rollen wir eher zur Gelateria, die ein Ableger der tollen Gelateria in Jeri ist, nur mit moderaten Icaraizinho-Preisen. Diese Gelateria ist ein absolutes MUSS und hat die ausgefallensten und leckersten Eissorten weit und breit.
Beim Zurücklaufen am Strand sind wir uns alle einig, dass dies von all den Spots, die wir auf unserer Reise besucht haben, definitiv der Schönste ist und er nächstes Jahr ganz sicher wieder ganz oben auf die Besuchsliste kommt.

Tag 11: Fahrt nach Icarai da Amontada

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Weshalb die Sunset Session warten muss:

Text: Heinz

Bei uns steht der 4. Hotelwechsel an. Nach Paracuru, Prea, Macapa steht nun ein Hotel in Icaraicinho auf dem Programm. Bei Windsurfern schon lange ein Begriff. Icarai liegt etwas abseits der Hauptstrasse CE-085 direkt an einem klassischem halbmondförmigem Strand, der mit einem kleinen Riff bei Flut schöne Wellen kreiirt. Die Bucht ist ähnlich derjenigen von Jeri nur mit dem Unterschied, dass man direkt vor dem Haus kitesurfen kann. Icaraicinho ist zudem sehr sauber gehalten und mit einem angenehmen Tourismusangebot ausgestattet. Der Club Vento hat hier ein Hotel, in welchem wir 3 Bungalows reserviert haben.

Also machen wir uns frühmorgens um 8.30 auf den Weg von Macapa richtung Süden. Uns erwartet eine 5 stündige Fahrt. Den Weg kennen wir bereits vom Hochfahren. Somit versuchen wir das ganze möglichst kurz zu halten. Ich (Heinz) schreibe im Auto an diesem Blog und weil die Sonne so stark scheint, verdunkle ich meine Frontscheibe am Beifahrersitz. So sehe ich wenigsten was ich ‚reindöggele‘. Wir passieren Chaval, Camocim und in Granja hält David plötzlich das Auto an. Ich schau auf, und ein Polizist schaut ins Auto. Einfach zum Nachschauen, wer eigentlich neben ihm sitzt. Bei dieser Gelegenheit kontrollieren die Offiziere natürlich unsere Papiere. Und als der Polizist vom Büro zurückkommt hat er uns die frohe Botschaft, dass unser Vermieter bei der Bezahlung der Autolizenz und Versicherung in Verzug ist. So können wir nicht weiter fahren! Der Polizist stellt sich erst mal vor.  Humbertus ist der Chef von der Staton und er bittet mich zu sich ins Office.
Er hat mir 3 nette Optionen zur Auswahl:
1. Ins Dorf gehn, Rechnung ausdrucken, bei einer Bank einzahlen und das ganze ist geritzt.
2. Den Besitzer anrufen, damit er die Zahlung gleich nachholt.
3. Ein etwas schmieriges Angebot: Er lässt uns passieren, wenn wir 500 Reais hinblättern – kkkkk. Typisch Brasilien.
Aber er interpretiert das ganze so: wenn ich dir helfe – hilfst du mir mit etwas Kohle…. du willst doch bestimmt Kitesurfen gehn – also verliere doch nicht all zu viel Zeit hier auf der Station.

Ich entscheide mich für Option 2, auch wenn dieser Ausgang zeitlich überhaupt nicht sicher ist. Immerhin muss ich Wilson, den Vermieter erreichen. Dann muss er auch gleich in der Lage sein, seine Pendenz nachzuholen. Und ich habe Glück: gleich beim ersten Telefonversuch erreiche ich seine Frau und sie unterhält sich dann auch direkt mit Humbertus, dem hilfreichen Polizisten. Mittlerweilen weiss ich von Humbertus, dass er 5 Kinder hat, verheiratet ist und nebenbei noch 2 Freundinnen hat. Ich zeige ihm Fotos von zuhause, wir reden über das Leben – unter Männer halt……

Maria, die Besitzerin vom Auto erklärt sich bereit, sofort die Einzahlen zu tätigen und danach mir eine Kopie zu schicken. Und damit fängt für David und mich das lange Warten an. Die anderen schicken wir weiter mit dem Auto nach Icaraicinho, so dass sie dort wenigsten schon mal den wunderschönen Strand geniessen können.
Was natürlich in der Schweiz Tage gedauert hätte und eine saftige Busse zur Folge gehabt hätte, ist hier eine Sache von 4 Stunden. Stelle auch vor, nach nur 4 Stunden werden wir von Humbertus und seinen 3 Jungs oberfreundlich verabschiedet als wären wir die besten Freunde. Jeder von ihnen hätte ja 100 Reais bekommen wenn ich auf sein freundliches Angebot eingelenkt hätte. Aber kein Nachtragen, nichts. Ich gab ihm dann noch 50 Reais für einen Runde Bier, denn dieser halbe Tag war ein Lektion in Portusisch lernen und in Staatskunde :-))

David drückt um 3 wieder aufs Gas – und zwar voll – denn wir wollen unbedingt noch den Sonnenuntergang bestaunen. Trotz massiver Tempoüberschreitung erreichen wir das Hotel Alises mit 10 Minutiger Verspätung. Unsere Freunde sind am Strand, spielen mit den Locals Volleyball und haben trotz ‚Nicht Kiten‘ den Tag genossen. Wir sind happy am wohl schönsten Ort der Region gelandet zu sein.

Und weil alles doch noch rund über die Bühne ging, genehmigen wir uns wir mal ein super Nachtessen. Damit werde ich defintiv mein Wochenziel bez. 3 kg Abnehmen nicht erreichen. Denn meine Spagettis mit Meeresfrüchten sind etwa so die besten, die ich jemals köstgen durfte. Und sie hätten für 3 Leute gereicht. Icaraicinho hat ein tolles Dörfchen mit wirklich hübschen Restaurants. Der Drink in der Strandbar unter Sternenhimmel und der Reggea Sound erinnert stark an Cabarete, so zumindest erzählt uns Mara davon. Gute Nacht und wir freuen uns auf die morgige Sunset Session.

Tag 10: Cajueiro Downwindschi, Barra Grande Sunsetter

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Tag 10: Unser letzter Tag im Staat Piaui

Text: Heinz
Vorab ein grosses Dankeschön an Mara, Roman und Marceu (Marcel) für dieses Tagebuch. Die Dynamik im Team stimmt, wir sind meistens beisammen und dennoch gibt es Zeiten für Privates und seit neustem splitten wir sogar die Gruppe weil die Kiteinteressen manchmal unterschiedlich sind. Eine unvergessliche Zeit nimmt seinen Lauf…..
Das Oca na Praia von Physik-Professore Ronald ist für uns wie geschaffen. Direkt am bis zu 200 Meter breiten Strand mit kleinen Pools ist es bestens geeignet für zum Rumspielen mit dem Kite oder abhängen in der Hängematte. Und das ganze hat einen etwas wilden Touch.

Mit dem Wind Richtung Barra Grande

Dennoch steht heute Barra Grande auf dem Programm. Nach kurzem Briefing entscheiden wir uns, auch heute wieder die Gruppe zu teilen. Doch in einer ganz anderen Konstellation.
Mara, Roman und David bleiben im Oca und geniessen den Morgen, gefolgt von einer Flachwassersession in einem der vielen Pools am Strand und einer weiteren Exkursion zur Flussmündung und Lagune von Barra Grande.

Gruppe 2 entscheidet sich für einen Downwinder von Cajueiro nach Barra Grande plus einer Abendsession direkt am Strand von Barra Grande.
Der Downwind bei Ebbe entpuppt sich als wahre Kitesurf Perle. Die Küste ist durchwegs Steinig und dadurch mit vielen kleinen Flachwasserstellen gespickt. Ideal für Wakestyle. Das Fahren um die Steine mit kleinen Wellen ist wie eine kleine Entdeckungstour.
David hat sein GPS dabei und trackt das ganze Spektakel. Eigentlich sind es nur 6 km Küste von Cajueiro nach Barra aber wir benötigen dafür 32 km. Marcel hat sich zur Verfügung gestellt, das Auto zu fahren und auf den Downwinder zu verzichten. Zudem hat er geschwollenen Füsse vom ewigen Laufen im Sand.

Das liebliche Barra Grande ist wie eine Enklave von Jeri. Die ersten Hotels wurden von den geschäftigen Jeri-Hippies errichtet die expandieren mussten. Und ihnen ist dies auch gelungen. Dieses Dorf ist überschaubar und ideal gelegen für Kitesurfer mit etwas mehr Geld im Sack. Bei Ebbe gibt es Flachwasserbis 2 km raus ans Meer. Bei Flut ist das Meer kabbelig und der Wind fegt auch hier mit seiner vollen Wucht dem Strand entlang. Aufgepassen muss man auf den felsigen sehr scharfen Untergrund. Und man ist hier nie alleine auf dem Wasser.

Sunset Session Barra Grande

Wir genehmigen uns am Strand ein paar Cervejas (Bierchen) und 2 Portionen Pommes – wovon jede 22 Reais kostet – das sind Preise wie in der Schweiz !!!

Man gönnt sich ja sonst nix ausser nochmals eine Kitesession für Gratis. Und diese Session geht für David in die Geschichtsbücher ein. Nach nur 10 Minuten auf dem Wasser und paar Big Airs kommen all die Locals hoch zu uns und messen sich mit ihm. Wer Springt höher und wer hat mehr Eier? Nun, dieser Punkt geht natürlich an die NATIVOS – aber alle kennen nun David. Sie geben sich High Fives und der Meister von hier fliegt auch noch den gleichen Kite wie David – also man versteht sich sofort – man hat dich gleiche Wellenläche :-) Zu guter letzt treffen wir auch noch Sandro, ein ehemalicher Gast von uns am Comersee. Spontan wie er ist, kommt er mit uns anschliessend zum Nachtessen.

Und das Essen hat es in Sich. Alles zu Schweizer Preisen à la French Cuisine: Caviche vom Fisch oder vom File als 1. Gang. Tip Top fürs Auge und den Gaumen zubereitet. Die Mangostückchen mit Tomaten für das gewisse Etwas und einer knackigen Karotten Tempura on Top.
Danach kommt der Malbec für die Gourmets. Der Hauptgang ist in etwa das selbe nochmals aber so zubereitat, dass es mind. 2 Michelin Punkte bekommt. Immerhin sind die Besitzer vom ‚La Cozinha‘ ja auch Franzosen aus Fortaleza die hier sesshaft geworden sind. Entweder gibt es File Mignon an einer grossartigen Pilzrahmsauce. Oder ein Robalo Fisch mit Kräutermantel auf Kartoffelpüre mit geschmacksvollen Gemüsestreiffchen….

Als Dessert die halbwarmen Schoggichüeckli, bei denen das warme Innere noch flüssig ist. Und ein feine Vanille Sorvete (Glace) dazu.

Eines meiner Ziele (Heinz) werde ich auf dieser Reise leider nicht erreichen: 3 Kilo weniger auf den Rippen – genau das Gegenteil ist eingetreten.

Tag 9: Pedra do Sal und das Parnaiba-Delta

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Die Entdeckung des Kiter-Paradieses

Blogeintrag von Mara

Heute ist der Tag der tollen Überraschungen. Zuerst bin ich sehr angenehm überrascht, dass auch nordwestlich von Roland’s schweizerischem Refugium in Paracuru ein sehr ansprechendes Frühstücksbuffet existiert und dies praktischerweise in unserer Pousada Oca na Praia. Zwar nicht ganz so gesund mit Müesli, dunkl(er)em Brot und riesiger Auswahl, aber dafür mit sehr leckeren Waffeln, frischen Säften, French Toast, Wassermelone, Schoggikeksen und einigem mehr. Wirklich ein Pluspunkt für diese Pousada, neben der wunderschönen Lage am Meer.

Ich hatte eine sehr interessante Nacht verbracht, in der ich mich auf einem Boot bei tosendem Sturm von den Wellen in den Schlaf gewiegt wähnte. Ich hatte nämlich bei der Besichtigung der verfügbaren Zimmer als Erste den Finger gehoben, als Heinz uns in eine Hütte auf Stelzen, die von allen Häuschen am nächsten zum Strand steht, geführt hatte. Und damit durfte ich hier netterweise einziehen. Da wir hier selbst in der Nacht um die 7 Beaufort haben, schaukelte meine Hütte die ganze Nacht auf ihren dünnen Stelzen hin und her, manchmal wurde sie auch von einer Böe regelrecht durchgeschüttelt. Ich als alte Möchtegern-Seebärin finde das natürlich wunderbar! Ist aber wahrscheinlich nichts für ängstliche Landratten. Was man allerdings nicht machen darf, ist gleichzeitig die dem Wind zugewandte Tür zur Veranda aufmachen und die Hüttentür offenstehen lassen, denn man riskiert die sofortige Entleerung der Hütte von allem Inhalt, der kleiner als das grosse Doppelbett ist.

Aber eben: ich wollte schon immer mal in so einem romantischen Stelzenhäuschen wohnen und für mich ist das ein weiteres Highlight dieses Brasilien-Urlaubs. Danke Heinz!!!  :-)

Da man von Macapà aus so unzählige Möglichkeiten zum Kiten hat, teilen wir unsere Gruppe heute auf in die, die Lust auf einen recht langen Downwinder von Pedra do Sal ins Parnaiba-Delta haben und die, die lieber nochmal über die tolle Lagune zwischen Macapà und Barra Grande düsen wollen.

Heinz, Thomas, Roman und ich steigen also in unseren braven Fiat-Van und fahren über Parnaiba in Richtung Nordwesten, wobei wir auf dem Weg dorthin mitten auf den Strassen mal wieder die Bewohner eines gesamten Bauernhofs bewundern dürfen. Man muss immer mal wieder im Slalom um Hunde, Esel, Kühe, Ziegen und sogar schwarze Schweine fahren. Und gestern fuhren wir auf der Landstrasse an einem Mann vorbei, der mit dem Gesicht nach unten neben einem umgestürzten Velo im Strassengraben lag, als wäre er heftigst von der Strasse geflogen. Wir kehrten natürlich sofort um, um ihm erste Hilfe zu leisten, aber er winkte nur ab und meinte, ihm sei nur nicht so gut und wir könnten weiterfahren…….
Tja, die Menschen hier sind schon ganz schön hart im Nehmen! Oft sehen wir sie bei 6 Beaufort Gegenwind mit klapprigen Velos auf der Standspur die Landstrasse entlangfahren, teilweise sogar nachts, was schon eher ziemlich lebensmüde ist und ich würde sie immer am liebsten mitsamt des Velos mitnehmen. Aber in unsere bis obenhin vollgepackten Autos passt leider meist nicht mal mehr eine Maus rein.

Pedra do Sal entpuppt sich als Fischerdörfchen mit einigen gut besuchten Baracas an einer felsigen Landspitze, die zwei riesige Sandbuchten mit – je nach Tidenstand – schön laufenden Wellen voneinander trennt. Als wir auf den Felsen herumspazieren, wird uns auch der Name des Orts klar: „salzige Steine“. Überall in den Vertiefungen hat sich das Salz des nach der Flut ablaufenden Meeres abgelagert und die Kristalle glitzern wunderschön in der Sonne.

Da der Wind noch nicht so stark ist, platzieren wir uns strategisch günstig in einer der Baracas am Strand und es gibt erstmal so richtig dekadent Cola und Pommes zur Stärkung für den bevorstehenden Down- und zwangsweise eben auch wieder Upwinder. Man kommt mit dem Auto nämlich nicht näher an die sandige Mündung des Parnaiba-Deltas heran, sondern müsste mit einem Boot von innerhalb des Deltas kommen, wie ich es mit einer anderen Gruppe letztes Jahr gemacht habe.
Da Hinkiten aber natürlich die viel spannendere Herausforderung ist und uns vor allem eine  professionellst mit Sonnenhüten, Rucksäcken und Camel-Bags ausgerüstete Gruppe Franzosen das Ganze schon vormacht, bauen wir auf und queren die Bucht direkt in Richtung der gegenüberliegenden Landspitze, wobei wir am Schluss noch recht Höhe laufen müssen. Dies ist gar nicht mal so einfach, denn der Wind schwächelt zum ersten Mal seit Tagen ziemlich und die 9 qm-Schirme sind fast ein bisschen klein. Schliesslich kommen wir aber dort an und vor unserer Nase erstreckt sich eine riesige Lagune hinter einer circa 20 m breiten Sandbarriere, über die der Wind unverwirbelt darüberfegen kann. Naja gut, heute fegt er ja ein bisschen weniger, aber immerhin ist er unverwirbelt!

Die Franzosen sind auch schon da, aber da es so endlos viel Platz hat, verteilt es sich gut und wir fühlen uns fast allein im absoluten Kiter-Paradies. Das Wasser ist „brettl eben“ (wie der Bayer so schön sagt) und man kann zum Springen super abdrücken. Oder könnte, wenn es einfach noch drei kleine Knoten mehr hätte. Aber wir wollen mal nicht mosern….. Es ist jedenfalls superschön und chillig. Da wir noch ein bisschen Kraft für den Rückweg brauchen, stürzen wir uns nach einer Dreiviertelstunde wieder in die fetten Meereswellen und düsen zurück in Richtung Leuchtturm, was diesmal mit nur einem Schlag zu bewerkstelligen ist.

Am Strand angekommen bekomme ich noch eine sehr praktische Lektion von Heinz, wie man einen Kite absolut gefahrlos landen und auch wieder starten kann, indem man den Kite leicht angepowert am Windfensterrand parkt, dann den Chickenloop vom Trapez abmacht und mit der Leash oder sonst einer Schnur an einem Pfosten oder Ast am Strand befestigt. Dann schnell hinrennen und mit dem Board sichern. Ruck zuck, fertig!!! Bei Starkwind sollte der Pfosten allerdings gut verankert sein, nur für alle Fälle…..  ;-)

Auf dem Rückwind gibt es mal wieder etwas zum Staunen über die Brasilianer, denn zwei Autos haben mitten auf der Landstrasse (bei fehlender Standspur) angehalten und ein Pärchen lässt sich seelenruhig mitten auf der Strasse vor dem (zugegebenermassen heute besonders schönen) Sonnenuntergang fotografieren. Ich möchte nicht wissen, wie teuer einen solch eine Aktion in der Schweiz kommen würde, wenn einen die Polizei erwischt – und nach Murphy’s Law kommen die ja immer gerade dann um die Ecke, wenn man sie gar nicht brauchen kann.
Aber eben, hier im Norden von Brasilien ticken die Uhren anders und das ist auch gut so, denn sonst könnten wir ja auch daheim in unserer ordentlichen, perfekt durchorganisierten Schweiz bleiben.

In der Pousada angekommen treffen wir die anderen, die auch noch völlig gestoked sind von ihrem Tag in der Lagune und der Flussmündung von Macapà. Der Hunger ist mal wieder gross und da die Auswahl an Restaurants ja nicht so riesig ist, fallen wir schon um kurz nach sieben wieder bei unserem österreichischen Freund Thomas ein, der uns heute sogar ein luxuriöses Thunfisch-Tatar als Vorspeise serviert. Für mich gibt es eine hervorrragende Pizza Camarao und danach einen (Gipfel der Wonne!!!) Palatschinken mit Nutella. Wobei der nichts mit Schinken zu tun hat, sondern das unlogische, unerklärbare österreichische Wort für Pfannkuchen ist.

Nach diesem Traumtag gefolgt von solch einer delikaten Völlerei falle ich umso glücklicher in mein riesiges Bett im Stelzenhaus, das diese Nacht mangels Starkwind auch nicht mehr so arg schwankt, so dass die Träume auch nicht mehr ganz so wild ausfallen.

Tag 8: Macapa (Lagoa Barra Grande)

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Im wilden Westen

Writer: Roman
Was ein Österreicher mit dem wilden Westen zu tun hat? – dazu später mehr. Zunächst ging es für uns darum, Abschied zu nehmen. Nicht nur von Prea, Jeri und dem Piratenschiff, mit dem wohl gemächlichsten Barkeeper Brasiliens, der pro Stunde gerade mal zwei Caipirinhas mixt, sondern vor allem von Remo, unserem erfrischenden Sonnenschein mit dem Dauerlächeln im Gesicht. Abschied nehmen von Remo, dessen Reputation als Sunny Boy sich entlang der brasilianischen Küste von Fortaleza aufwärts bis an die Grenze von Venezuela wie ein Lauffeuer erstreckt hat. Legendär, die schmachtenden Blicke der Badenixen und die der neidvollen maskulinen Konkurrenten auf seinen durch Wind und Wellen geformten Superbody.
Wir hatten riesig Spass mit ihm, nicht nur wenn er gerade mal die nettesten Mädels am Strand spontan davon abhielt, von sich selbst Fotos in allen möglichen Posen zu schiessen, sondern stattdessen diese flugs veranlasst hatte, von uns ein lustiges Gruppenfoto zu machen. Vielmehr bedanken wir uns für die tolle Zeit, die grossartige Unterstützung und für sein nimmer endendes Lächeln: DANKE REMOOOO!
Nachdem wir die Augen vom Abschied wieder trocken hatten, sassen wir bereits in unseren wieder bis ans Limit voll beladenen Fahrzeugen Richtung Barra Grande. Vier Stunden und zwei Liter Wasser später stiegen wir in Macapa aus. Eine nette Bungalow Anlage direkt am Strand und gleich unterhalb der Lagune von Barra Grande. Perfekt für unsere Zwecke.
Kurz Gepäck aussortiert und schon ging’s los auf den wilden Wellen-Ritt. Wind stimmt, hat fett Zug und hilft uns, die Wellenberge rauf und runter zu reiten. Wellen kommen hier von allen Seiten, in allen Formen und in allen Grössen. Selbst hundert Meter vor der Küste bäumen sich die Wellen bedrohlich auf und brechen schlimmstenfalls gleich vor dir in einem lauten Donnern zusammen. Deshalb lautete das Credo: möglichst schnell in die Lagune aufkreuzen, was den einen ein wenig schneller gelingt als den anderen. Oben angekommen waren es traumhafte Bedingungen. David, aka Dr. Dre, markierte gleich mal den Platzhirschen, in dem er in endlosen Kiteloops, Backloops und Seven-twenty-double-hangover-triple-fist-loop alles zum Besten gab.
Die Euphorie kulminierte jedoch beim Zurück-kiten. Die Sonne stand bereits schon tief und hüllte alles in dieses warme, sanfte, gelb-rote Licht. Direkt vor uns in Fahrtrichtung stürzte sich die Sonne ins Meer und streute tausende glitzernde Sonnenstrahlen über die Meeresoberfläche, die schöner funkelten als jeder noch so reine Diamant! Und so wie Lucky Luke auf dem Jolly Jumper am Ende jeder Geschichte in den Sonnenuntergang reitet, reiteten wir auf den Wellen in den Sonnenuntergang.
Zwar war die Sonne einstweilen im Meer ersoffen, aber das bedeutete keineswegs, dass für uns der Tag auch schon zu Ende war; denn vom vielen Reiten waren wir mächtig hungrig. Zur Auswahl standen eine Pizzeria und äh – ja, das war’s dann auch schon. Das erleichterte zumindest den Entscheidungsprozess erheblich, könnte man jetzt fairerweise anfügen, um einen positiven Twist in die Story zu bekommen.
Also ab zur Pizzeria! Dort angekommen mussten wir zunächst mit Erstaunen feststellen, dass alle Tische bereits gut besetzt waren. Das ist etwas, das wir in dieser Woche Brasilien bisher noch nie erlebt hatten, denn die Brasilianer sind nach der verlorenen Fussball WM und den zer-dopten Olympischen Spiele in eine tiefe Krise gestürzt. Zweite Überraschung war, dass der Gastgeber ein Österreicher war, was zumindest bei mir nicht direkt mit Pizza konotiert ist. Jedoch entlarvt ihn spätestens ein Blick auf die Karte, wo neben all den Pizzen auch Wiener Schnitzel und Apfelstrudel zu finden sind.
Unser Hit des Tages war definitiv das Thunfisch-Filet, vom regionalen Gelbflossen Thunfisch – oder so. Nur leicht auf beiden Seiten angebraten, mit Sesam sparsam bestreut, begleitet von einer Soya-Ginger Sauce kam des Thunfisch voll zur Geltung. Dazu wurde Reis gereicht garniert mit brasilianischem Basilikum, der ähnlich nach Lakrize schmeckt, wie der thailändische Basilikum. Yamie, yamie! Das entschädigt auch für die stundenlange Wartezeit, die wir uns gedulden mussten, bis das Essen serviert wurde.
Der Österreicher machte jedoch alles wett. Mit seinem Charme und seiner zuvorkommenden Gastfreundschaft. Er war selbst von der Gästeschar überrascht und hatte alle Hände voll zu tun. Leicht handycapiert, weil er sich vor drei Wochen bei einem Sturz von der Leiter drei Rippen gebrochen hatte, liess er sich’s auch nicht nehmen, die Milch für meinen Cappuchino von Hand zu schäumen. Oder vielmehr blieb ihm keine andere Wahl, da niemand von seiner Belegschaft erstens wusste, was ein Cappuchino war und zweitens, wie Milch geschäumt wird. Sehen wir ausnahmsweise darüber hinweg, dass Cappuchino nach Mittag zu geniesen einer italienischen Todsünde gleichkommt und konzentrieren uns darauf, wie fein der Milchschaum mit dem Apfelstrudel harmoniert, so wird klar, dass es keinen anderen Königsweg gab, um diesen nach dem Hausrezept seiner österreichischen Mutter hergestellten Apfelstrudel kaiserlich zu verkosten!
Am Ende des Abends waren wir die letzten Gäste, die im Restaurant übrig blieben und so setzte sich unser österreichischer Gastgeber mit einer Flasche Rum zu uns, die er bereits an anderen Tischen rege im Einsatz hatte. Ursprünglich in der Pharmaindustrie tätig, hat er seine Liebe vor fünfzehn Jahren in Brasilien kennengelernt. Da er leidenschaftlich gerne kocht, hat er dann gleich sein Hobby zu seinem Beruf gemacht und eine Pizzeria in Macapa eröffnet.
Vor Jahren für umgerechnet einige Tausend Franken Land gekauft, ist dieses nun rund eine Million wert. Jedoch ist er glücklich es bald verkaufen zu können, denn in Brasilien Land zu besitzen, ist sehr anstrengend und gefährlich. So gilt das Recht, dass wenn jemand auf dein Land kommt, dort zum Beispiel ein Hütte baut und er innerhalb von einem Jahr nicht vertrieben werden kann, das Landrecht automatisch an ihn übergeht. So geschehen bei einem Investor aus Sao Paolo, der nach einer längeren Abwesenheit wieder mal nach seinem Land schauen wollte und dort mit einer Reihe kleiner Einfamilienhäuser auf seinem Grundstück konfrontiert wurde. Fazit der Geschichte: die Häuser stehen heute noch und der Investor hat was Interessantes dazugelernt.
Gemäss brasilianischen Rechtsverständnis steht es nämlich allen offen, an einem Plätzchen, z.B. am Strand zwischen Palmen, einen Zaun hochzuziehen, ein Häuschen zu bauen und dieses für ein Jahr lang gegen alle Eindringlinge zu verteidigen – und schon gehört das Fleckchen Paradies dir!
Ergo, wenn der Österreicher nicht gerade am Pizza oder Wienerschnitzel machen ist, verteidigt er seine Landparzelle gegen alle Eindringlinge, die schon mehrfach versucht haben, dort ihr neues Lager aufzuschlagen. Dabei hilft ihm gemäss seiner eigenen Aussage, nicht die Polizei (die ist eh korrupt und hat deshalb andere Dinge zu tun), sondern seine Reputation „verrückt zu sein“. Er droht dann den Eindringlingen seine Parzelle sofort zu verlassen, andernfalls holt er ’ne Knarre und schiesst sie über den Haufen. So, und nun wisst ihr auch, was ein Österreicher mit dem wilden Westen zu tun hat!

Tag 7: Kiten in der Lagoa do Paraiso

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Kiten im böigen Paradies

Blogbeitrag von Mara

Heute morgen musste ich echt lachen: Thomas (den ich erst seit exakt sieben Tagen kenne) und ich sassen gemütlich auf unserer Veranda, auf der uns die Haushälterin Gorete (ausgesprochen: Goreci) in unseren drei Tagen in Prea jeden Morgen unser privates Frühstück serviert und wir verhielten uns schon wie ein eingespieltes Ehepaar: er bekam wortlos meinen Cajou-Saft, den Kuchen und die Papayas, dafür bekam ich die Mango-Schnitze und den Gouda-Käse und ich wusste auch schon genau, wann ich ihm das Salz zu den Rühreiern reichen musste. Es war wirklich zum Kugeln!!!
Video von der Pousada Lotus

Aber genauso geht es uns mit der ganzen Gruppe: wir sind nach einer Woche schon ein richtig eingespieltes Team geworden. Klar hat jeder so seine Eigenheiten, aber Heinz hat uns gut erzogen und das mit dem „pünktlich zur Abfahrt eintreffen“ klappt langsam ganz gut. Auch das „Kite mit angeleinter und sauber aufgewickelter Bar ohne Sandberührung zusammenrollen und ordentlich im Trapez versorgen“ können wir inzwischen im Schlaf. Es ist wirklich genial, wenn man so wortlos Hand in Hand mit guten Leuten zusammenarbeiten kann. Oder sich darauf verlassen kann, dass jemand da ist, wenn etwas schief geht und sich zum Beispiel auf dem Wasser das Material selbständig macht. Auch dazu gibts ein Video von Marcel
So macht Urlaub wirklich noch tausendmal mehr Spass…..  :-)

Heute stand die Lagoa do Paraiso auf dem Programm, die circa eine halbe Stunde Autofahrt ins Landesinnere liegt, sozusagen am Rand der Dünen des Nationalparks von Jericoacoara. Dadurch, dass der Wind noch über Bäume und Buschwerk muss, ist er ziemlich böig, aber im Prinzip genauso stark wie in Prea selbst.

Ein findiger italienischer Geschäftsmann aus Fortaleza hat sich direkt an der Lagune die Pole-Position gesichert und ein fettes Restaurant mit ‚zig Liegestühlen, Lounges und Hängematten am Wasser hingestellt. Das Ganze aber noch sehr schön und geschmackvoll in die Landschaft integriert. Die vielen Bedienungen, die überall herumwuseln, sind alle wie Piraten gekleidet und extrem aufmerksam und freundlich. Und es hat ja Touristen zuhauf, um die sie sich kümmern können – hauptsächlich Brasilianer.

Wir waren zu Anfang die einzigen Kiter auf dieser riesigen Lagune (Kitegrössen zwischen 5 und 9 qm) , später kamen nochmal drei andere dazu. Traumhafte Bedingungen also, wobei die Böen teilweise schon recht grenzwertig waren. Aber das nahm man für diese schöne Location gern in Kauf. Die Jungs, speziell David, Remo und Thomas, liessen es stundenlang richtig krachen, ich machte nach zwei heftigen Stürzen mal eher ein bisschen halblang. Es gab aber am Strand auch so viel und spezielles zu beobachten und zu fotografieren.

Besonders angetan hatte es uns eine brasilianische Schönheit, die sich – mit einen Selfie-Stick bewaffnet und mit einem praktisch nicht existenten Bikini bekleidet – minutenlang am Ufer in Pose schmiss und sich selbst fotografierte.

Selten habe ich irgendwo so ein perfektes Bild von Narzissmus geliefert bekommen!!! Man kann nur hoffen, dass sich diese Art von öffentlicher Selbstverliebtheit nicht wie ein Virus verbreitet. Naja, wahrscheinlich ein frommer Wunsch….. und irgedwie sind wir doch alle kleine Narzisten :-)

 
Nach dem Heimkommen legten die meisten erstmal ein Runde Hängematte ein (ausser Roman, der machte wieder ganz konsequent eine Runde Yoga, wofür ich ihn endlos bewundere), bevor es zum Abendessen zu einem Italiener mit absoluten Riesen-Pizzas ging. Danach mussten wir noch Remo verabschieden, der als nächstes nach Rio fliegt und von dort ein paar Wochen nach Costa Rica, der Glückliche!!! Wir wählten für die Abschieds-Caipis die tolle Piratenschiff-Bar am Strand (mit Schaukeln als Stühlen und Kronleuchtern unterm Dach) und der Ferientag war mal wieder so perfekt, wie ein Ferientag in Brasilien nur sein kann…..

Tag 6: Downwinder und Jericoacoara

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Heinz‘ Flohzirkus

Blogbeitrag von Mara

Heute war der Tag der umgeschmissenen Pläne. Ich möchte nicht wissen, wie oft sich Heinz heute gedacht hat: „Eine Handvoll Kiter sind schlimmer als ein ganzer Sack voller Flöhe!!!!!“

Also, der erste Plan war folgender: Morgensession am Strand von Prea, danach Pause und nachmittags Downwinder nach Jericoacoara, wobei Remo unsere Klamotten mit dem Auto dorthin gefahren hätte, damit wir abends für den Ausgang auch etwas Trockenes anzuziehen haben. Der Plan war gut, aber die Strecke für Marcel etwas unrealistisch.

Es folgte der zweite Plan: Einfahren am Strand von Prea. Wenn dann alle auf dem Wasser sind, kleiner Downwinder bis hinter den flachen Felsen, dort Pause und dann Downwinder bis ans Ende der riesigen Bucht, kurz bevor der Berg von Jeri losgeht. Wir schwärmen also alle peu à peu aus, alles sieht soweit gut aus für den Start, da verliert Marcel eine Linse und muss landen und nochmal zurück in die Pousada, um eine neue zu holen. In der Zwischenzeit wollen manche nicht mehr wartend hin und herfahren („Heieinz, wann geht’s denn endlich looohoos???“) und machen Pause. Die eine verschwindet in der Pousada für eine Maracuja, die anderen in die nächste Bar für ein Bier. Marcel ist also  mit einer neuen Linse am Strand startbereit, da sind die anderen verschwunden. Also alle wieder einsammeln und auf’s Wasser schicken, da fällt Roman ein, er muss seinen Kite nochmal aufpumpen, denn die Tube verliert Luft. Die Pumpe hat Mara aber im guten Glauben, es ginge endlich los, schon wieder in die Pousada gebracht. Also muss Roman nochmal in die Pousada sausen, den Kite pumpen und „Hurrraahhhh, es geht endlich los!!!!!“  :-)

In diesem Moment habe ich Heinz wirklich bewundert, dass er nicht einen von uns „Flöhen“ umgebracht hat…..

Der Downwinder war dann wirklich traumhaft: perfekter Wind, schöne Wellen, was will man mehr!!
Remo kam dann, um uns einzusammeln und es ging wieder zurück nach Prea zum chillen in der Hängematte (guter Plan!!!).

Um fünf Uhr wurden wir wieder eingesammelt, quetschten uns alle acht in den kleinen Fiat-Van und fuhren die Sandpiste Richtung Jeri, wobei Remo sich als Meister-Slider entpuppte. Allerdings nicht meisterlich genug, als das wir nicht dreimal hätten aussteigen und die Karre wieder aus dem tiefen Sand hätten schieben müssen. Aber was wäre ein Jeri-Ausflug schon ohne ein paar Mal im Sand steckenbleiben. Davon kann ich noch ganz andere Geschichten erzählen….

In Jeri selbst hat sich in den sechs Jahren, die ich nicht mehr dort war, viel geändert (logisch!!!). Es hat viele schicke neue Hotels und ein komplett neues Viertel in der zweiten Reihe in Richtung der grossen Düne. Ausserdem darf man mit dem Auto nicht mehr in den Ort fahren, sondern muss es am Ortseingang stehen lassen und mit dem Shuttle weiter, was ich sehr sinnvoll finde.
Was aber immer noch genau gleich geblieben ist, ist das Wahrzeichen von Jeri: die riesige Düne am Ende des Beaches, von der aus man auf der einen Seite einen wundervollen Blick in den Nationalpark hat, der wie die Wüste Sahara mit ein paar Oasen aussieht, und von der anderen Seite aus kann man den Sonnenuntergang bewundern. Ausserdem kann man die Windsurfer übers Wasser flitzen sehen, denn die Bucht von Jeri ist immer noch fest in der Hand dieser sonst langsam aussterbenden Spezies. Sozusagen das Windsurfer-Reservat von Céara.  ;-)

Den Sonnenuntergang bewundert mit uns ungefähr das halbe Dorf, alle sitzen dort oben an der Kante der Düne, trinken Bier, Caipirinhas oder Leite de Coco, die Brasilianer fotografieren sich mit ihren Selfie-Sticks und es ist so chillig, wie Brasilien eben nur sein kann. Wenn die Sonne untergegangen ist, gibt es Applaus und alle springen die steile Dünenkante herunter, was sich anfühlt, als würde man durch dicken, wattigen Tiefschnee fliegen.

Auf dem Weg zurück zu den Bars (wo es dann den nächsten Caipi gibt) kommen wir an einer Capoeira-Vorführung vorbei. Die Menschen stehen dabei klatschend und singend im Kreis um zwei Kontrahenten, die sich mit Kicks und akrobatischen Sprüngen lauernd umkreisen. Capoeira ist eine alte Kampfkunst, die ursprünglich von Sklaven entwickelt wurde und die mit ihren Sprüngen und Drehungen zur Musik wie ein harmloser Tanz aussieht, der aber jederzeit mit seinen Kicks und Schlägen in bitteren Ernst umschlagen kann. Als ich in der Dämmerung in diesem Kreis der singenden und mit alten Instrumenten aus ausgehöhlten Kürbissen musizierenden Menschen stehe, bekomme ich echt eine Gänsehaut. LIVE Capoeira hier…

Was auch neu ist in Jeri ist die Polizei, die sogar am Strand massiv Präsenz zeigt, um die Touristen zu beruhigen. Und ich muss sagen, es funktioniert, denn ich habe mich in den kleinen sandigen Gassen – auch als Frau allein – immer absolut sicher gefühlt. Das ging mir aber bisher in allen kleinen Dörfern meiner diversen bisherigen Brasilienreisen so und ich wurde auch nie eines Besseren belehrt. Nur für Fortaleza würde ich defintiv nicht meine Hände ins Feuer legen!!!

Nach der Düne steuern wir eine wunderhübsche Bar am Strand an, wo wir Heinz‘ Freunde Sandy und Patricia mit ihren beiden quirligen Zwillingstöchtern treffen, die sofort Roman und Remo als Kletterstangen und Karussells missbrauchen. Einfach unglaublich, wieviel Energie Kinder um diese Uhrzeit noch haben.
Danach geht es zum Restaurant von Mariella, das mit so unglaublich viel Liebe und Kreativität eingerichtet ist, dass man es kaum beschreiben kann. Man muss es wirklich selbst gesehen haben. Noch dazu bedienen dort sehr hübsche Bedienungen in sehr kurzen Kleidchen, was meiner Meinung nach eher der Grund dafür ist, dass Heinz uns dorthin schleppt als das Essen, denn das ist eher „normal“. David, Thomas und ich nutzen die Zeit, in der die anderen noch mit Mariella und den hübschen Bedienungen ratschen, um durch die bunt beleuchteten Gassen zu streifen, denn David braucht noch eine Boardshort und Thomas einen Haufen T-Shirts für seine diversen Neffen und Nichten.

Überall hat es Musik, Strassenkünstler, Hippies, die Schmuck verkaufen, kleine Lädeli und Bars. Besonders lustig sind auch die „rollenden Caipi-Bars“ am Strand, die quietschbunt beleuchtet und liebevoll dekoriert sind, um Kundschaft anzuziehen. Und überall ist Zeit für eine freundliche Begrüssung oder für einen kleinen Schwatz zwischendurch. Brasilien halt…..  :-)

Da wir ja den ganzen Tag kiten, sind wir gegen Mitternacht mehr oder weniger durch (ausser Remo, der hat noch die Energie des 22-jährigen…), so dass wir die wilden Partys, die in Jeri anscheinend stattfinden, leider verpassen. Wir schauen noch bei einem Forrò vorbei, sozusagen eine einheimische Tanzveranstaltung, aber da wir dort um die Uhrzeit die ersten sind und es noch keine hübschen Brasilianerinnen für die Jungs zum Tanzen hat, machen wir uns dann doch auf den Heimweg. Diesen bewältigt Remo dann sogar mit nur einem Mal im Sand steckenbleiben und da wir wegen der Ebbe am Strand entlang düsen können, dürfen wir relativ bald in unsere Bettchen krabbeln.

Tag 5: Prea / Barrinha / Fischznacht

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Preanischer Wind

The early bird gets the low wind – in Prea bläst es diesen Tag mit 6++ Beaufort. (Für unsere nicht-kitesurfenden Freunde zu Hause sind das über 50 km/h). Zudem ist Ebbe und Flut auch immer ein wichtiger Faktor, den man beachten muss. Bei Ebbe bilden sich weniger Wellen und somit schwächt sich die ganze Preanische Explosion etwas ab….

Kurz nach dem Frühstück bauen wir um 10 unsere Kites direkt an der Hauptstrasse auf. Hauptstrasse ist hier der Strand. Und der Strand ist heute wesentlich breiter als noch gestern bei unserer Ankunft, als die Flut hoch war und gerade mal Platz bot, um einen Kite zu starten. Heute ein ganz anderes Bild:

Und die letzten Fischer, die nachts um zwei raus sind, um unser Nachtessen zu fangen, sind gerade am anlegen.

Wir carvten los und kickten uns über die kleinen Wellen. Transition Jump war auf dem Lehrplan – kkkkk.
Nur Marcel hatte etwas Mühe mit seinem 10er Kite. Schon kurz nach dem Launch (=starten des Kites) nahm der Wind um ein paar Zacken zu – Zacken das sind Knoten und Knoten sind km/hs. (also die ganzen Belehrungen haben mir auch schon den Übernamen ‚Ja Herr Lehrer‘ eingebrockt – kkkk)

Zurück zu Marcel – er kam gleich wieder zurück ans Ufer und musste auf einen kleineren 7er wechseln. Danach ging es auch mit ihm sehr flott weiter, bis dann aber sein Quick-Release von selbst auslöste – danach die Safety riss – und sein Kite mannlos übers Meer wirbelte. Richtung Jeri – immer weiter weg – aber auch immer näher ans Ufer – sideshore Wind sei dank. Und dank dem sofortigen Reagieren von Mara und David war die Situation schnell unter Kontrolle.

Doch Marcel sagte sich dann ‚Let’s call it a day‘ und widmete sich dem Foto Shooting. Wir haben uns schon lange gefragt, für was er eine Angelrute mitgenommen hat:

Und Marcel verwöhnt uns jeden Morgen zum Frühstück mit noch semmelwarmen GoPro Videos. Er trägt die GoPro-Kamera immer und überall. Manchmal sieht er zwar wie ein Teletubby aus, wenn er die Kamera auf dem Helm trägt, doch am Ende gibt es tolle Souvenirs…..
Zum Beispiel dieses:
What dogs think about the early birds ;-)
oder
Prea zum Frühstück

Downwinder von Barrinha

Nachmittags ist ein Downwinder auf dem Programm. Und zwar vom Nachbarsdorf Barrinha 6 km entlang der Küste bis zurück nach Prea. Wir schnappen uns das Taxi von Edilson und nach ca 30 Minuten Fahrt packen wir unsere Kites aus. Das ganze sollte ca 1.5 Stunden dauern.

Nach ca 500 Metern kam eine Schildkröte daher – Roman war so aufgeregt darüber, dass er irgendwie mit dem Kite etwas signalisieren wollte, dabei aber mit dem Kite von Mara ins Ghäder kam. Beide lösten aus und für sie war dann leider auch Schluss, weil die anderen von uns weiter wollten. Immerhin war ein Wettkampf mit dem Sonnenuntergang am laufen :-)
Und tatsächlich, genau im Moment als die Sonne den Horizont von Prea berührt, treffen wir mit einem Lachen am Strand von Prea ein.
Ein kleiner Apero bei Marcelle in ihrem neuen Restaurant ’no beira da mar‘ muss noch im Tagesprogramm Platz haben:

Paixe von Elton

Prea wäre nicht Prea, wenn man nicht einmal von einem der lecker zubereiteten Fische gegessen hätte.
Frühmorgens kommen wie erwähnt die Fischer vom Fang zurück. Gleich danach wird Boot für Boot hochgezogen, Fisch aussortiert, für die Helfer gratis Fisch verteilt und der Hauptteil des Fangs zu einer Paixeria gebracht.
Elton ist ein hervorragender Koch und er hat sich förmlich anerboten, einmal bei uns zu kochen. Unsere grosser Grill ist bestens gemacht dafür:

Elton hat alles, was einen guten Koch ausmacht. Er koppelt traditionelle Kochweise mit neumodischem Flair. Seine Mustard-Molho (Sauce) ist der Hammer und gemäss ihm fast überall einsetzbar. Das Auge isst mit und schaut euch nur an, wie er sich gekleidet hat: Einfach professionell !!!

Stellt euch vor – sogar der Cabernet Sauvignon war diesmal trinkbar – ich ging dafür sogar richtig weit :-) Es gibt hier so in etwa 100 kleine Einkaufsläden für die 6500 Preaner (Kleingewerbe ist hier noch angesagt), nur muss man wissen, was wo erhältlich ist. Ist man einmal diesbezüglich auf einem höheren Level – dann macht das Einkaufen einfach nur Spass, weil man in jedem Laden wieder bekannte Leute trifft und sich Zeit nimmt für ein freundliches ‚Tudo bem – como esta o kitesurf hoje?‘ – und schon geht’s los mit der Kommunikation………… Prea I love you

Kommentar von Heinz