Tag 12: Kiten in Icaraizinho

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Die Flöhe mal wieder kreuz und quer unterwegs auf dem Meer

Blogbeitrag von Mara
Was gibt es Schöneres, als im Angesicht des türkisfarbenen Meeres ein leckeres Frühstück vor die Nase gestellt zu kriegen? Unser Eindruck von gestern, wir wären im absoluten Kiter-Paradies gelandet, verstärkt sich mehr und mehr. Die Frühstücksterrasse im Les Alizes thront auf einem kleinen Hügelchen und man hat den Blick über die gesamte Bucht, an deren Ende über den Dünen sich schon wieder fleissig die weissen Flügel des hiesigen Windparks drehen.
Überhaupt habe ich langsam das Gefühl, ganz Brasilien müsste inzwischen mit Windstrom betrieben werden, denn die Windgeneratoren stehen selbst in den kleinsten Dörfchen und im absoluten Nirgendwo. Es gibt ja Leute, die sehen die Windräder als massive Naturverschandelung und Vogelbedrohung, aber für mich sind sie von einer stillen Eleganz und Effizienz und immer noch besser als ein Atomkraftwerk, vor dessen Problematik der Lagerung des radioaktiven Abfalls immer noch einfach die Augen verschlossen werden.
Heinz schlägt uns mal wieder einen tollen Plan für diesen schönen neuen windreichen Tag vor: vormittags im perfekten Ebbe-bedingten Flachwasser direkt vor unserer Pousada kiten und am Nachmittag einen kleinen Downwinder nach Lee zu dem Kiterstrand vor den Dünen machen und die Landspitze erkunden, an der man auch immer einige Kites am Himmel sieht.
Alle stürzen sich also auf’s Wasser und tummeln sich zwischen den im seichten Wasser stehenden Holzpflöcken, diversen einheimischen Anglern, den Fischerbooten, den Steinen den die Bucht einrahmenden Riffs und den Wellen. Aufgrund aller dieser harten und weichen Hindernisse ist eher sicheres Fahren angesagt, so dass tollkühne Manöver und Sprünge höchstens von unserem Sprungprofi Davidd 2 zu bestaunen sind, denn wir anderen wollen nicht riskieren, unsere Kites zu droppen, um sie nachher in Einzelteilen zwischen den Fischerbooten herauspflücken zu dürfen. Denn nach Murphy’s Law geht ja, wenn etwas schiefgeht, es immer genau da schief, wo es nicht schiefgehen sollte!!!
Marcel übt sich derweilen im Spezial-Triathlon: rauskiten, reinschwimmen, am Strand zurücklaufen. Da dieser Sport der Figur sehr zuträglich sein soll, hat Heinz ihm tägliches Training verordnet, was Marcel auch brav absolviert.
Nach einer kurzen mittäglichen Hängemattenrunde werden wir wieder auf’s Wasser gelockt: der Downwinder ans untere Ende der Bucht steht an. Die Flöhe hüpfen also einer nach dem anderen wieder auf’s Wasser aber – oh Schreck – bei Roman fliegt einfach der Kite weg!!! Der Löli von Kiteschulen-Assistent wartet beim Starten nicht mal ab, bis Roman sich in den Chicken-Loop, geschweige denn in die zweite Safety eingehakt hat und schmeisst einfach den Kite in die Luft!!!! Der fliegt natürlich sofort in hohem Bogen weg und purzelt mitten zwischen die Boote auf dem Wasser, wo er sich nach ein paar Überschlägen verfängt und anfängt zu loopen. Vom Wasser aus bestaune ich diese Vorführung, wie man einen Kite NICHT starten sollte und die anschliessende Diskussion Romans mit dem Verrückten, wie man den Kite wieder von dem Boot abbekommt, ohne ihn kaputtzumachen.
Mittlerweile ist Marcel bereits wieder bei der zweiten Disziplin seines Spezial-Triathlons angekommen und Heinz muss zu ihm runterdüsen, um ihm zu helfen, sein Material wieder komplett ans Ufer zu bekommen. Da er schon mal in Lee unterwegs ist, hilft er auch gleich nochmal einem Franzosen, der dann auch ziemlich weit schwimmen muss.
Das ist wirklich ein bisschen tricky an Icarainzinho: das Flachwasser in der Bucht verführt dazu, zu sehr in die Abdeckung der Landspitze zu fahren und plötzlich ist der Wind weg und der Kite droppt. Auch Windsurfer habe ich schon einige schwimmen sehen. Deshalb sollte man oberhalb der Fischerboote bleiben oder eben genügend weit auf dem Meer draussen, um auf die andere Seite der Bucht zu kommen. Ich merke irgendwann, dass der Wind anfängt zu schwächeln und da ich dieses Phänomen schon zur Genüge vom Gardasee und Urnersee kenne, kurve ich gerade noch rechtzeitig rein und lasse den Kite mit dem letzten Lüftchen einem erstaunten Windsurfer vor die Füsse plumpsen.
Der vierte Floh David denkt sich: „Prima, jetzt habe ich eine gute Ausrede, um mir doch noch die andere Seite der Bucht anzuschauen“ und ruck zuck ist er nach Lee unterwegs, um sich mal die dortige zweite Kitestation der Bucht anzusehen. Dort fällt ihm eine schöne Französin ins Auge, die ihm die nächsten Tage keine Ruhe mehr lassen wird. Bei Einbruch der Dunkelheit kommt er dann aber doch wieder zurück in die Pousada gelaufen.
Die restlichen zwei Flöhe Thomas und Heinz nutzen ihren Gewichts- und Surfbrettvorteil und toben noch auf dem Wasser herum, bis die Sonne sich ganz verabschiedet hat und das Feierabendbier mehr als verdient ist.

Da wir trotz der gescheiterten Pläne ja den ganzen Tag sehr fleissig waren, ist der Hunger am Abend mal wieder gross und wir pilgern den Strand hinunter ‚gen Dorfmitte, um uns aus den vielen netten Restaurants eins auszusuchen. Die Wahl fällt uns diemal leicht, denn wir treffen zufällig Silvi, Sandro und Lydia, mit denen ich vor zwei Jahren auf der Ilha do Guajiru und in Barra Grande war und angesichts der riesigen Portionen „Frango ao Molho“, die sie vor sich auf dem Teller haben, setzen wir uns gleich dazu. Das ist überhaupt immer sehr lustig in Brasilien: da hier Oktober und November die besten Windzeiten sind, kann man hundertprozentig davon ausgehen, in jedem Dorf eine Kitebekanntschaft aus den letzten Jahren zu treffen. So ja auch schon vor ein paar Tagen Hugo in Macapà.

Das Huhn stellt sich tatsächlich als sehr delikat heraus und nach den riesigen Portionen begleitet von Reis, Bohnen und Pommes gehen…..äääähhh, rollen wir eher zur Gelateria, die ein Ableger der tollen Gelateria in Jeri ist, nur mit moderaten Icaraizinho-Preisen. Diese Gelateria ist ein absolutes MUSS und hat die ausgefallensten und leckersten Eissorten weit und breit.
Beim Zurücklaufen am Strand sind wir uns alle einig, dass dies von all den Spots, die wir auf unserer Reise besucht haben, definitiv der Schönste ist und er nächstes Jahr ganz sicher wieder ganz oben auf die Besuchsliste kommt.
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